
Thailand ungeschminkt
Tempel, Tropen und tiefe Momente
Erste Eindrücke in Bangkok
Ich lande planmäßig um 6:30 Uhr in Bangkok und fahre mit dem Taxi in meine kleine Oase, ein Boutiquehotel mit 31 bunten, individuell gestalteten Zimmern und einem großen Garten, versteckt in einem Wohnbezirk im Norden der Stadt.
Nach meinem ersten Kaffee entscheide ich, nicht sofort in den Trubel einzutauchen, sondern gönne mir eine Massage. Ich besuche ein Onsen, die japanische Bezeichnung für ein Thermalbad, angereichert mit wertvollen Mineralien, die der Körper über das Wasser aufnimmt. Jede Quelle hat ihre eigene Zusammensetzung, von Kalzium über Eisen und Magnesium bis hin zu Zink. Es gibt vier Becken, die man in einer bestimmten Reihenfolge nutzt. Als Anfängerin wird mir eine einstündige Session empfohlen.
Ich genieße die ruhige, reduzierte japanische Atmosphäre dieses Rückzugsorts mitten in Bangkok. Die anschließende Massage ist als „medium“ gekennzeichnet, tatsächlich aber kräftig und wohltuend, mit ein paar blauen Flecken als Andenken.
Nach einem grünen Tee fahre ich zurück ins Hotel. Dank der Grab-App ist das unkompliziert, doch im abendlichen Verkehr dauert die Fahrt gut 40 Minuten.
Abendstimmung am Fluss
Am Abend schlendere ich durch mein Viertel Banglamphu, in dem es kaum Touristen gibt. Hier bekomme ich einen authentischen Einblick in das alltägliche Leben der Thais. Es beeindruckt mich zu sehen, wie selbstverständlich überall gegessen wird. Das Essen wird in Plastiktüten mitgenommen und an jeder Ecke gemeinsam genossen. Bemerkenswert ist auch die liebevolle, dankbare Haltung der Menschen.
Am Ende lande ich zufällig in einem kleinen Lokal am Fluss, dem Steve Café & Cuisine, wo ich ganz hervorragend esse und den Blick auf den sanft fließenden Chao Phraya, Bangkoks Lebensader, genieße.
Ich schlendere durch kleine Gassen zurück ins Hotel. Ein langer, intensiver und wunderschöner erster Tag geht zu Ende.
Empfehlungen für Tag 1 in Bangkok
Onsen-Erlebnis: Yunomori Onsen & Spa – ein authentisches japanisches Thermalbad mitten in Bangkok.Essen am Fluss: Steve Café & Cuisine – Thai-Küche in entspannter Atmosphäre mit Blick auf den Chao Phraya.Unterkunftstipp: Pranakorn Nornlen – ein liebevoll gestaltetes Boutiquehotel in ruhiger Lage.
Tag 2 – Tempel, Touristenfallen und thailändisches Streetlife
Langsam ankommen
Ich lasse es heute etwas ruhiger angehen, die Zeitverschiebung steckt mir noch in den Knochen. Im Innenhof unseres charmanten Hotels trinke ich in aller Ruhe meinen Kaffee und schreibe ein paar Zeilen in mein Tagebuch.
Planänderung auf dem Fluss
Eigentlich wollte ich ein Wassertaxi nehmen, um die bekannten Tempel Bangkoks zu besuchen. Doch spontan buche ich einen Ausflug mit dem Longtailboot über den Chao Phraya.
Der Fluss, „muddy old river“, ist eine träge, braune Brühe, in die man lieber nicht hineinfällt. Die angepriesene „Floating Market“-Tour über die Seitenkanäle entpuppt sich als ziemlicher Reinfall. Abgesehen von einem überteuerten Souvenirmarkt gibt es kaum etwas zu sehen. Den Großteil der Zeit verbringen wir wartend in einer Schleuse, umgeben von anderen gelangweilten Touristinnen und Touristen, die vermutlich dasselbe denken wie ich: Was machen wir hier eigentlich? Immerhin: Wir werden am Wat Pho Tempel abgesetzt, und hier bleibe ich gleich für die nächsten drei Stunden.
Ruhe im Trubel: Wat Pho
Etwa 95 % der Thailänderinnen und Thailänder sind Buddhisten. Doch lange vor dem Buddhismus glaubte man an Geister und Gottheiten, und das sieht man bis heute. Bunte Altäre, Buddha-Statuen und spirituelle Symbole stehen an fast jeder Straßenecke. Ob als Figur vor dem Haus oder als Amulett um den Hals, der Buddha soll Unglück fernhalten. Die berühmteste Statue der Stadt befindet sich im Wat Pho, der riesige, liegende Buddha. Die weitläufige Tempelanlage wirkt auf mich trotz vieler Besucherinnen und Besucher tief beruhigend und fast meditativ.
Streetfood, Rooftop und Green Curry
Vor dem Tempel pulsiert das Leben. Die Marktstände sind laut, bunt und wild. Es gibt buchstäblich nichts, was es nicht gibt. Ich probiere getrocknetes Seaweed, tatsächlich lecker, aber bei den gegrillten Skorpionen ziehe ich die Grenze. Zum Sonnenuntergang zieht es mich in eine Rooftop-Bar mit Blick auf Wat Arun. Der Blick über den Fluss ist magisch. Ich bestelle ein Bier und mache mich später auf die Suche nach einem Restaurant am Wasser. Ich werde fündig: Green Curry, sehr, sehr scharf.
Einziger Wermutstropfen daran, allein zu essen: Ich kann nicht mehrere Gerichte probieren. In Thailand ist es üblich, viele Speisen zu bestellen und alles zu teilen. Ich beneide ein wenig die Paare am Nachbartisch, die sich durchprobieren können.
Zurück mit dem Grab-Roller
Nach dem Essen bestelle ich einen Grab-Roller. Kaum habe ich bezahlt, steht der Fahrer schon bereit, schnell, unkompliziert, effizient.
Empfehlungen für Tag 2 in Bangkok
Wat Pho Tempel: Berühmt für den liegenden Buddha und die entspannte, weitläufige Tempelanlage.
Rooftop-Bar mit Blick auf Wat Arun: Sala Rattanakosin – elegante Bar mit fantastischer Aussicht.
Authentisches Thai-Dinner: Supanniga Eating Room – direkt am Fluss gelegen, hochgelobte Küche.
Tag 3 – Königspalast, Streetfood-Legende und ein magischer Sonnenuntergang
Der Königspalast: ein Ort voller Geschichte
Nach dem Frühstück lasse ich mich mit dem Roller zum Königspalast bringen. Der Bau begann im Jahr 1782, und bis heute spürt man hier die Seele und Geschichte Thailands. Über Jahrhunderte hinweg war der Palast die Residenz der Könige. Besonders beeindruckend ist der Haupttempel, in dem sich das Nationalheiligtum der Thais befindet, der Smaragd-Buddha. Ich war vor 30 Jahren schon einmal hier, damals mit Olli, und hatte gezögert, ob ich diesen Ort noch einmal besuchen möchte. Heute weiß ich, es war die richtige Entscheidung. Die Anlage ist eindrucksvoll, überwältigend schön und strahlt große Würde aus.
Blumenmarkt und Krabbenkönigin
Am Nachmittag mache ich mich zu Fuß auf den Weg, erst über den berühmten Blumenmarkt, dann weiter zu einem Ort, den ich mir fest vorgenommen hatte: Jay Fai, die „Krabbenkönigin“. Sie ist 77 Jahre alt, betreibt ein kleines Streetfood-Restaurant mit offener Küche und wurde 2017 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Wer hier essen will, braucht Geduld. Ich stelle mich an, warte lange und ergattere schließlich einen der kleinen Plastikstühle vor den grün gekachelten Wänden.
Ihr Look ist legendär, Armee-Shirt, Wollmütze, Taucherbrille als Schutz vor dem offenen Feuer. Mein Krabbenomelett ist köstlich. Die Wartezeit hat sich mehr als gelohnt.
Sonnenuntergang mit Whiskey Sour
Beim Sonnenuntergang dort zu sitzen, mit einem Whiskey Sour in der Hand, ist einer dieser Momente, die man festhalten möchte. Friedlich, leuchtend, beinahe magisch.
Spicy Dinner und ein vertrauter Abschluss
Zum Abendessen fahre ich zurück in mein Viertel. An einer kleinen Straßenecke esse ich fantastisch gewürzte Muscheln, einfach, authentisch, sehr spicy. Zurück im Hotel telefoniere ich, wie jeden Abend, mit Anouk. Die Zeitverschiebung passt perfekt. Ich höre noch etwas Musik im Zimmer und schlafe, wie fast immer in Bangkok, erstaunlich gut.
Empfehlungen für Tag 3 in Bangkok
Königspalast: Eindrucksvolle Architektur und ein spirituelles Zentrum der thailändischen Geschichte, unbedingt besuchen. Jay Fai – Streetfood mit Stern: 327 Maha Chai Rd, Samran Rat, Phra Nakhon. Früh da sein oder Wartezeit einplanen. Wat Arun zum Sonnenuntergang: Einer der schönsten Orte Bangkoks in der goldenen Stunde, mit Blick auf den Fluss unvergesslich. Dinner-Tipp im Viertel Banglamphu: Kleine Garküche an der Straßenecke mit fangfrischen Muscheln, sehr würzig und authentisch
Tag 4 – letzter Tag in Bangkok: Zwischen Wahnsinn, Rooftop-Bar und Streetfood
Morgens in Chinatown: Hitze, Plastik und echtes Straßenleben
An meinem letzten Tag in Bangkok lasse ich mich noch einmal mitreißen. Direkt vor dem Hotel springe ich spontan in einen Tuk-Tuk Richtung Chinatown. Eigentlich hatte ich diesen Besuch für den Abend geplant, aber in Bangkok entscheidet oft der Moment. Es ist heiß, laut und bunt, und überall liegt Plastik. Doch sobald man die Hauptstraßen verlässt, begegnet man wieder dem echten Leben. Händlerinnen kochen am Straßenrand, bauen Stände auf und wieder ab. Das Leben spielt sich direkt auf dem Asphalt ab. Ich setze mich in ein kleines Lokal, bestelle ein kühles Bier und beobachte die Szene.
Downtown und Rooftop-Bar: Bangkok von oben
Im Anschluss fahre ich mit dem Grab-Roller quer durch die Stadt ins moderne Downtown. Mein Ziel ist die Octave Rooftop-Bar im Marriott Hotel. Tischreservierung ist Pflicht, ebenso ein Dresscode. Ich wage es trotzdem, ungestylt und spontan. Die 40-minütige Fahrt im Feierabendverkehr ist abenteuerlich, aber schneller als jedes Taxi. Oben angekommen ist die Aussicht spektakulär. Und doch springt der Funke nicht über. Das Publikum wirkt aufgesetzt, die Atmosphäre kühl. Ich entscheide mich kurzerhand um und kehre zurück nach Chinatown, wo ich mich wohler fühle.
Zurück zu den Wurzeln: Streetfood unter Badezimmerkacheln
Die Rückfahrt verläuft chaotisch. Trotz Screenshot der Adresse versteht der Fahrer mich nicht. Ich lande in einem Industriegebiet, gestikuliere wild, doch nach weiteren 45 Minuten komme ich endlich an. Es hat sich gelohnt. Ich gönne mir eine letzte Portion echtes Streetlife. Ich stelle mich in die Schlange, esse von Plastiktellern unter altmodischen Kacheln und genieße das einfachste und vielleicht beste Thai Food meiner Reise. Zurück ins Hotel geht es mit dem Tuk-Tuk. Der Roller hat für heute Pause.
Fazit: Bangkok hat mich begeistert
Besonders gefallen hat mir, mich treiben zu lassen, ungeplant, spontan und intuitiv. Ich bin sonst sehr organisiert, doch hier war es eine Wohltat, sich auf den Moment einzulassen. Ich habe fantastisches Essen entdeckt, einen der schönsten Sonnenuntergänge meines Lebens am Wat Arun erlebt, in einem Onsen entspannt und überall herzliche, respektvolle Menschen getroffen. Jetzt bin ich bereit für Koh Phangan.
Empfehlungen für Tag 4 in Bangkok
Streetfood-Erlebnis in Chinatown: Guay Jub Quan Pochana, 408 Yaowarat Rd. Der Klassiker: Guay Jub, pfeffrige Nudelsuppe mit Schweinebauch. Rooftop mit Ausblick: Octave Rooftop Lounge & Bar (Marriott Sukhumvit). Stylische Bar mit Panoramablick, besser mit Reservierung.
Tag 5–10 – Sanctuary-Zeit: Meeresrauschen, Yoga und ein Wiedersehen
Seit ein paar Tagen bin ich im Sanctuary auf Koh Phangan und es fühlt sich an wie ein kleines Paradies. Ich habe genau die Hütte mit Meeresrauschen erwischt, von der ich geträumt habe. Zwischen Palmen, Hängematten und schmalen Pfaden finde ich sofort Ruhe.
Ich kann schwimmen, entspannen und das vielfältige Angebot an Yoga, Meditation und Workshops genießen. Es fällt mir fast schwer, mich zu entscheiden, der Strand ist einfach zu schön.
Nach ein paar Tagen finde ich meinen ganz eigenen Tagesablauf. Erst eincremen, dann schwimmen, anschließend Yoga und Brunchen. Der Nachmittag gehört dem Strand, danach eine Massage und um 17 Uhr Yin Yoga. Dazwischen: Kakao-Zeremonie, Gongbad am Nachbarstrand und Gespräche mit inspirierenden Menschen.
Hier gibt es drei miteinander verbundene Buchten, die sich sogar bei den Partys absprechen. Alles ist nur per Taxiboot erreichbar und genau das macht den Reiz aus. Man ist irgendwie unter sich. Fasten, Detoxen, Feiern – alles ist möglich. Und am Wochenende kommen die Ohrstöpsel in den Hütten zum Einsatz.
Klingt schräg? Ist es auch. Aber ich liebe es. Und ich weiß jetzt schon: Ich komme wieder.
Das Schönste dieser Tage: Ich kann endlich meine Tochter Cosi wieder in die Arme schließen.
Empfehlungen für Koh Phangan (Abschnitt 5–10)
– The Sanctuary Thailand – mein magisches Zuhause für neun Nächte
– Orion Healing – Retreat mit gesunder Küche und Yoga
– Pyramid Yoga – ruhiges Zentrum in der Natur
– Yoga House Phangan – offener, familiärer Ort für alle Levels
Tag 11–13 – Abschied vom Paradies und ein holpriger Neustart
Wir genießen die verbleibenden Tage im Sanctuary in vollen Zügen. Es ist so schön, dass wir spontan um zwei weitere Nächte verlängern. Mein Alltag folgt inzwischen einem vertrauten Rhythmus: morgens Yoga, danach ein ausgedehnter Brunch mit den Mädels, Schwimmen im türkisblauen Meer, zwischendurch Gespräche, Lesen oder einfach nur Dösen am Strand.
Ein besonderes Highlight ist meine Einzelstunde bei Nina, einer beeindruckenden Yogalehrerin, die sofort meine Schwachstellen erkennt. Sie zeigt mir, wie ich meine Haltung verbessern und durch gezielte Justierungen Schmerzen vorbeugen kann. Es ist ein Aha-Erlebnis – körperlich und geistig.
Am Samstagvormittag um elf Uhr verabschieden wir uns schweren Herzens vom Sanctuary. Mit einem Longtailboot kehren wir in die Zivilisation zurück und sind uns sicher: Wir kommen wieder.
Für die nächsten drei Nächte haben wir ein Hostel auf Koh Phangan gebucht. Die Unterkunft liegt schön, aber die Realität im Schlafsaal ist gewöhnungsbedürftig: stickige Luft, keine Fenster, lärmende Mitreisende. Doch wir nehmen es mit Humor, lachen viel und machen das Beste daraus.
Tagsüber erkunden wir die Insel, gönnen uns eine Pediküre und fahren mit dem Roller zu verschiedenen Yoga-Retreats. Immer wieder begegnen wir Menschen, die die beiden Mädels auf ihrer Reise kennengelernt haben. Die Insel scheint wie ein Knotenpunkt der Backpacker-Welt.
Unser ursprünglicher Plan, weiter nach Koh Tao zu fahren, scheitert an der Auslastung der Unterkünfte. Kurzerhand ändern wir die Route und reisen einen Tag früher nach Koh Samui weiter. Auch hier ist es nicht leicht, spontan etwas zu finden. Zunächst reicht es nur für eine Nacht.
Doch das Wiedersehen mit Anouk am Flughafen entschädigt für alles. Sie hatte eine lange, anstrengende Anreise mit mehreren Umstiegen und Verspätungen. Als wir uns endlich in die Arme schließen, sind alle Strapazen vergessen. Wir sind dankbar und glücklich, wieder vereint zu sein.
Empfehlungen für Koh Phangan (Abschnitt 11–13)
– Nymph Hideout – Frühstücks-Spot mit schöner Anlage
– Orion Healing – ideal für gesunde Mahlzeiten und Yoga
– Alcove Phangan – Dinner direkt am Strand, oft mit Feuershow
Tag 14–17 – Wiedersehen, Insel Momente und Natur pur
Anouk ist endlich da und wir fallen uns erleichtert und überglücklich in die Arme. Für die erste Nacht bekommen wir ein Zimmer zu viert, mit eigenem Bad und sogar einer warmen Dusche. Für uns ein kleiner Luxus. Glücklicherweise können wir im selben Hotel bleiben und für die nächsten zwei Nächte in ein Dreibettzimmer umziehen. Die Unterkunft ist einfach, aber schön gelegen. An beiden Abenden genießen wir das hervorragende Essen im hoteleigenen Restaurant.
Trotz schlechtem Wetter mieten wir zwei Roller und erkunden Koh Samui. Bei Regen ziehen wir uns in ein gemütliches Café zurück, trinken Matcha und quatschen stundenlang – genau das, was wir gerade brauchen. Abends landen wir eher zufällig bei einer Feuershow, nicht unser Ding, aber das Essen ist ausgezeichnet und rundet den Tag wunderbar ab.
Spontan entscheiden wir, Koh Samui zu verlassen und mit der Fähre und einem Bus ins Landesinnere zum Khao Sok Nationalpark zu reisen. Ich freue mich riesig, diese Route hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Von hier aus werde ich später über Phuket und Bangkok zurückfliegen.
Auch in Khao Sok gestaltet sich die Unterkunftssuche anfangs schwierig. Für die erste Nacht bekommen wir nur ein Zelt. Aber wie so oft lohnt es sich, vor Ort nachzufragen. Schon am nächsten Tag können wir zwei weitere Nächte bleiben, inklusive einer Übernachtung in einem Floating Bungalow. Der Aufwand hat sich gelohnt: mitten im Dschungel, auf dem Wasser zu schlafen, ist einfach magisch.
Nach der langen Anreise, rund sechs Stunden unterwegs, kommen wir am späten Nachmittag an. Ich genehmige mir ein kühles Dosenbier und lasse die Natur auf mich wirken. Unser Zelt ist etwas kurz, die Matratze hart, aber das spielt kaum eine Rolle. Ich genieße jede Sekunde. Die Geräuschkulisse des Dschungels, das satte Grün, der Fluss nebenan – all das entschleunigt mich sofort.
Am nächsten Tag lassen wir es ruhig angehen. Wir bleiben am Fluss, lesen, schreiben Tagebuch, ordnen Gedanken. Diese Zeit mit den Kindern, ohne Ablenkung, mitten in der Natur – das ist eines der größten Geschenke dieser Reise.
Empfehlungen für Koh Samui (Abschnitt 14–17)
– Vikasa – stilvoller Ort mit Yoga, Lunch und Dinner, alles mit Meerblick
– Kirati Samui – authentische Küche, so gut, dass wir drei Mal dort waren
Tag 18–22 – Schwimmende Bungalows, Dschungelklänge und Abschied
Heute, am Samstag, werden wir abgeholt und fahren mit dem Longtailboot in den Khao Sok Nationalpark. Der Cheow-Lan-See zählt zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen in ganz Thailand. Der künstlich angelegte Stausee aus dem Jahr 1987 erstreckt sich über 185 Quadratkilometer mit glasklarem Wasser in allen Türkis-Tönen. Die bizarren, von dichtem Dschungel bewachsenen Kalksteinfelsen ragen majestätisch aus dem Wasser und schaffen eine Kulisse, die fast surreal wirkt.
Wir übernachten in Floating Bungalows mitten auf dem See. Am Nachmittag springen wir direkt vom Steg ins Wasser – ein unglaubliches Gefühl. Später machen wir uns auf den Weg zu einem nahegelegenen Wasserfall. Leider sind wir mit dieser Idee nicht allein. Rund 80 Personen werden täglich hierher gebracht und am nächsten Morgen wieder abgeholt. Die Atmosphäre erinnert eher an Massenabfertigung. Doch die Natur ist so überwältigend, dass ich diesen Ort trotzdem jederzeit wieder besuchen würde.
Zum Abendessen gibt es fangfrischen Fisch. Müde vom Tag und den vielen Eindrücken legen wir uns früh schlafen – auf dünnen Matratzen direkt auf dem Boden. So erschöpft, dass Anouk und ich sogar auf unseren geliebten True-Crime-Podcast verzichten, den wir sonst jeden Abend im Zelt hören.
Am Sonntag brechen wir früh auf zu einer Tropfsteinhöhle. Unterwegs erleben wir noch einmal die Vielfalt der Tierwelt: Affen, exotische Vögel und sogar einen Bison bekommen wir zu Gesicht, Elefanten leider nicht. Zurück in unserem Bungalow genießen wir Pancakes zum Frühstück, bevor es per Boot wieder zurück an Land geht.
An unserem ruhigen Zeltplatz am Fluss kehrt eine angenehme Stille ein. Ich beobachte die Affen, lausche den Klängen des Dschungels und lasse die letzten Tage auf mich wirken. Abends gibt es ein letztes Curry und eine letzte Folge True Crime im Zelt. Ein vertrautes Ritual, das mir fehlen wird.
Diese Reise war ein Geschenk. Bangkok war laut, chaotisch, lebendig und faszinierend. Auf Koh Phangan fand ich Ruhe, Klarheit und das langersehnte Wiedersehen mit Cosi nach fünf Monaten. Die Tage dort waren erfüllt von Yoga, Massagen, Klangschalen, Kakao-Zeremonien, Rollerfahrten, überraschenden Begegnungen, viel Lachen und besonderen Momenten – immer begleitet von köstlichem Essen.
Im Dschungel des Khao Sok Nationalparks durfte ich noch einmal ganz eintauchen, in die Natur, ins Schweigen, ins Staunen.
Was bleibt, ist Dankbarkeit. Und die leise Ahnung: Ich werde zurückkommen.
„Ich nehme viel mit aus diesen Wochen, vor allem das Wissen, dass ich mich treiben lassen kann und am Ende trotzdem bei mir ankomme.“